TAPERN – Rennvorbereitung (Race preparation) von Brett Sutton /DPN

Auf Grund eines erschienenen Artikels vom früheren Weltmeister Pete Jacobs, haben mich viele darauf angesprochen doch mal meine Meinung zum Thema TAPERN zu sagen.

Bei Trisutto.com nennen wir es nicht „Taper Phase“. Wir sagen dazu „Rennvorbereitung“ (Race Preparation). Das klingt gleich viel besser und wir kommen vom Kopf her nicht in das Gefühl oder die Versuchung, dass wir jetzt das Training der letzten Wochen von hundert auf nahezu NULL herunterfahren und somit in eine Art Urlaub für den Körper driften.

FRankfurtløping_0201-00-03-14-217.jpgPete bringt es schon in seinem Artikel in einem Satz auf den Punkt: „Der häufigste Fehler, den die meisten Athleten machen beim traditionellen Tapern ist: sie laufen in der letzten Woche vor dem großen Rennen zu viel und zu schnell.“

Sein Rat ist empfehlenswert, je näher das Rennen kommt, desto weniger wird gelaufen. Ich bin da sehr ähnlicher Meinung und denke, sobald man seinen längsten Lauf geschafft hat, werden die Laufeinheiten zurückgeschraubt. Unser „Ausdauerdefizit“ können wir stattdessen mit Radfahren und Schwimmen auffüllen. Das Radfahren ermöglicht uns den Krafteinsatz mit dem Rad-Computer ziemlich genau zu kontrollieren und den Stress für den Körper somit gering wie möglich zu halten. Dadurch wird das Radfahren mit der wichtigste Teil des Trainings, um die Intensität während der wichtigsten Woche vorm Rennen zu steuern.

Wir von Trisutto.com reduzieren neben dem Laufen auch die Anzahl der Schwimmeinheiten während „unserer“ Taperphase. Schwimmen ist sehr kraftraubend. Wenn man dann noch ein eher schwächerer Schwimmer ist und eine zu harte Einheit kurz vor dem Rennen macht, dann hat das negative Auswirkungen auf das Schwimmen, aber vor allem auch auf das Radfahren und das Laufen im Rennen!!!

Mallorcasvøm10-00-01-48-200-01Wo wir nicht einer Meinung sind mit Pete Jacobs, ist das Schwimmen innerhalb der letzten drei Tage vor dem Rennen. Das gilt nicht nur für Frankfurt, Klagenfurt, Roth oder Kona, das gilt für alle Rennen. In meiner langen Trainerkarriere, habe ich unglaublich viele Athleten gesehen, die sich super vorbereitet haben, mehr als fit sind für den großen Tag und dann am Renntag morgens mit einer mysteriösen Krankheit aufwachen. Es ist meistens eine Art leichte Lebensmittelvergiftung, die nach 48 Stunden schon wieder erledigt ist, aber das Rennen somit auch bevor es noch angefangen hat. Woher das kommt? Diese Athleten haben meist während des „open water swim“ vor dem Rennen irgendetwas mit/aus dem Wasser aufgenommen, ob sie wollten oder nicht. Und das unabhängig von Wasserqualität, nicht das man mich hier falsch versteht. Für diejenigen, die jetzt mit dem Kopf schütteln und denken… ja, in Rio oder Asien ist das vielleicht so – ich garantiere Euch, dass es in den saubersten Gewässern vorkommt. Ihr investiert viel Zeit und Geld für Vorbereitung, Equipment und Reisen, um am Ende ein hohes Risiko einzugehen, nur weil man vorab in dem schönen See schwimmen wollte, anstatt im Pool.

Camp2Brett-00-03-22-569Nach dem Rennen hast Du genug Zeit Dir alles in Ruhe anzuschauen, im See oder im Meer zu schwimmen, laufen zu gehen so lange Du willst und auch Rad zu fahren wo immer Du möchtest – falls Du noch fit genug dafür bist.

Brett Sutton frei übersetzt von DPN

Wie wichtig ist Erholung im Triathlon? By Brett „the doc“ Sutton

übersetzt von Dirk Peter Neumann – trisutto coach europe

Über die Jahre hinweg wurde ich von vielen Experten missverstanden, die sich nicht einmal die Zeit genommen haben, unsere Trainingscamps zu besuchen, um zu sehen, was wir tatsächlich tun. Aber ich habe mit vielen großartigen Trainern gesprochen und diese besucht, welche alle eine der wichtigsten Eigenschaften besitzen, die sie zu DEM Trainern macht – und das ist…. Neugier.

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Sie sehen sich meine Ergebnisse an und fragen warum?

Um im Triathlonsport Erfolg zu haben, gilt eines meiner wichtigsten Prinzipien: Erholung und Regeneration! Das wird vom überwiegenden Teil der Triathleten und Experten lächerlich gemacht.

Lasst uns also mit den Grundaussagen beginnen, die ich schon vor mehr als 45 Jahren von meinem Vater eingetrichtert bekam. Die Aussagen, die mich an die Spitze des internationalen Coachings in jeder von mir betreuten Sportart brachten und hielten:

BELASTUNG + REGENERATION = ANPASSUNG = HÖCHSTLEISTUNG

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BELASTUNG + BELASTUNG = ÜBERTRAINING = SCHLECHTE LEISTUNG

Was willst Du für deine Athleten? Dass meine Freunde ist eine einfache „Wissenschaft“!
Lasst es uns also auch einfach und klar halten. Ich glaube, wenn es keine Erholung gibt, kann es keinen Fortschritt geben.

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In unserem Sport bestehend aus 3 Elementen (Ironman 5) ist die Erholung ein sehr kompliziertes Unterfangen. Also muss man den Sport kennen. Kann Regeneration/Erholung in einem Bereich stattfinden, während an einem anderen hart gearbeitet wird? Meine Gedanken sind ein sehr klares JA! Kann man regenerieren/erholen, wenn man müde ist? JA!
Das Puzzel welches es für jeden Einzelnen zu erarbeiten gilt, ist, wie viel Belastung ausreichend ist, um die Leistung zu steigern, und die Menge an Ruhe, die dafür benötigt wird.

Hier wird es kompliziert, denn das hängt von 3 Dingen ab:

  1. Fitness des Athleten
  2. Alter des Athleten
  3. geistige Leistungsfähigkeit des Sportlers


Wird eines der 3 Dinge falsch angesprochen, behindert man die Fähigkeit, die Leistung auf dem höchsten Niveau abzurufen.

Ein Coach muss sich individuell auf jeden Einzelnen einstellen und auch im Laufe seiner Karriere immer wieder anpassen. Anpassungen, die im Laufe der Zeit vorgenommen werden, können bedeuten, dass ein Athlet, der am besten mit einer geringeren Belastung trainiert hat, nach 3 Jahren zusätzliche/höhere Belastung benötigt, um ein höheres Niveau zu erreichen. Wenn der Athlet lange genug bei Dir ist, wirst Du erkenne, dass der Athlet mit zunehmendem Alter besser wird und sich weiter verbessert, indem man die Belastung anpasst, um wieder weniger zu machen.

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Wenn man das liest, denkt man vielleicht, ich versuche zu verwirren, aber es ist so kompliziert. Deshalb gibt es nur wenige Meistertrainer in einem Meer von Mittelmäßigkeit. Es ist eine Tatsache, dass jeder Sportler ein anderes Stresslevel hat und das auch noch schwankt. Ein guter Trainer findet das und „manipuliert“ es dann. Erholung ist das Werkzeug, um es zu kontrollieren.

Der nächste Job für den Trainer ist es, das Level zu finden, um den Athleten davon zu überzeugen, dass dies das Beste für ihn ist. Was körperlich am besten ist, stimmt vielleicht überhaupt nicht mit den psychologischen Fähigkeiten / Anforderungen einiger Athleten überein. Ich habe viele Athleten gesehen, die großartige Dinge gemacht haben, nur weil sie zu ihren Ergebnissen getreten und geschrien wurden. Nicht, indem man sie härter trainieren lässt, sondern indem man sie zur Erholung zwingt, die sie nicht wollen, um sie vor sich selbst zu schützen.

IMG_20170319_164705_011.jpgEines meiner größten Probleme ist, dass Sportler ihre Belastungs-Schwellenwerte nicht kennen, selbst nachdem sie großartige Leistungen erbracht haben. Ihre Angst besteht darin, dass das „viel hilft viel“ Syndrom extrem in ihren Köpfen verankert ist, und es braucht nur ein Wort oder eine Leistung von einem Konkurrenten, um ihre Alarmglocken läuten zu lassen, „ich muss so viel mehr tun“. Wir, bei trisutto, bauen jeden Tag etwas Erholung in unser Training ein.

Hier sind drei Beispiele für Trainingsprogramme, die ich gerade erst 5 Minuten bevor ich dies hier niedergeschrieben habe, an die Seriensieger in meinem Team geschickt habe:

  • Ich möchte, dass du zum Schwimmbad fährst – dort 20 Minuten läufst, anschließend 200m schwimmst und dann 15 Minuten in den Spa gehst
  • Ich möchte, dass du mit deinem Citybike zum Pool fährst. Wenn Du Dich langweilst, fahren noch 20 Minuten extra und gehe ganz locker 400m schwimmen. Anschließend noch etwas in den Spa und dann fährst Du nach Hause.
  • Coach, ich kann nicht nichts tun. Es macht mich verrückt! Einmal Training am Tag ist nichts für mich.

Dann ok, ‚Wie wäre es mit einem Lauftag. 3 Läufe, was denkst du?

Coach, das hört sich fantastisch an, wie soll es aussehen?

20 Minuten vorm Frühstück. Maximal 20 Minuten vor dem Mittagessen. Und wenn du dann immer noch das Bedürfnis hast was zu tun, dann nochmal 20 Minuten vor dem Abendessen. “

Dies sind echte trisutto-Trainingseinheiten und werden allen dreien helfen, bessere Athleten zu werden.

Erholung ist alles. Deine Aufgabe als Sportler ist es, sie – die Erholung – einzubeziehen. Die Aufgabe des Trainers ist es herauszufinden, wie viel Erholung. Wenn man einigen etwas zu viel Erholung gibt, langweilen sie sich; und so bin ich ein Meister der Tarnung, um Athleten Erholung zu geben, während sie glauben, dass sie trainieren.

svømfrankfurt-00-00-33-761.jpgWenn man Belastung diskutiert, tendieren die Menschen dazu, nach der roten Linie zu suchen. Wir nicht. Die rote Linie ist für anaerobe Ereignisse. Triathlon (ausgenommen dem neuen Team-Format) ist ab dem Start aerob. So suchen wir nach der weißen Linie. Und das ist für mich B.A.P. – Best Aerobic Pace (das beste aerobe Tempo). Gemeinsam mit der Belastung ist es das, was ich suche. Wir machen viel B.A.P. wenn unser Körper dafür bereit ist. Die Erholung, die wir uns vorher gegönnt haben, ermöglicht uns dies.

Hier noch ein Satz zum Ironman (Langdistanz). Der Schmerz ist kein Schmerz, es ist anhaltendes Unbehagen. Wenn das Training richtig gemacht wird, ohne Schmerzen, kannst du viel gewinnen. Der Schlüssel ist Beständigkeit. Nicht, wie hart du gehst ist entscheidend. Ich denke, wenn du zu hart trainierst, wird es deine mögliche Ironman-Leistung sehr begrenzen.

Und zu guter Letzt, werde ich genau so enden, wie ich angefangen habe:

BELASTUNG + REGENERATION = ANPASSUNG = HÖCHSTLEISTUNG

BELASTUNG + BELASTUNG = ÜBERTRAINING = …..

http://blog.trisutto.com/the-importance-of-recovery/

Warum Schwimmen im Triathlon häufig unterschätzt wird – oder Wie kann ich schneller Radfahren und Laufen?

(Blog August 2017 by coach Dirk Neumann)

Die ersten Höhepunkte der Saison bei den Langdistanzrennen in Europa sind nun Geschichte. Wir haben viele Athleten gefragt wie es gelaufen sei oder sie haben es in ihren Rennberichten geschrieben. Häufigste Antwort: Ja ganz okay, aber irgendwie müsste ich viel schneller Radfahren und laufen können.

22047313_10159229045280214_1895111395_oAlle Athleten wollen im Rennen etwas schneller sein als im Rennen davor, oder im Jahr davor, etc., aber nur sehr wenigen gelingt es auch. Sie wundern sich, dass das Radfahren doch eigentlich viel besser gehen müsste, und das Laufen sowieso. Man ist ja bei kürzeren Distanzen und im Herbst beim Marathon schon deutlich schneller gelaufen. Im Training ist man bei den Sonntagsausfahrten mit den Freunden auch schnell unterwegs gewesen. Nach gründlichem Überlegen wird dann beschlossen noch mehr ins neue Rad zu investieren, noch mehr und härter zu trainieren und noch mehr zu laufen. Das ist aber meist der falsche Ansatz.

Die häufigste Ursache dafür, dass die meisten Triathleten unzufrieden sind mit Ihrer Rad- und Laufleistung bei der Langdistanz oder auch Mitteldistanz, liegt im Schwimmen!

„Muss ich jetzt mehr schwimmen?“ Oder: „Ich schwimme doch schon drei und mehrmals in der Woche…!“ ist eine häufige Reaktion. – Nein, wahrscheinlich nicht. Aber es macht vielleicht Sinn einen Schwimmstil zu finden, der für Dich passt.

Kristin Lie, die diesjährige Gewinnerin des 70.3 Haugesund, hat es in Ihrem Blog sehr treffend geschrieben:

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„Nach dem IM 70.3 in Haugesund erhielte ich unglaublich viele Anfragen und Kommentare oder wurde direkt angesprochen zu meiner Schwimmleistung. Hier meine Antwort:

Ich verbrachte in den letzten Jahren extrem viel Zeit im Wasser, trainierte mit und unter vielen Schwimmtrainern und versuchte wirklich alles was irgendwie möglich ist, um schneller zu schwimmen. Das Ergebnis: sehr sehr viel Frust für den Aufwand!!!!!! Im Mai besuchte ich ein Camp von Trisutto auf Mallorca. Brett Sutton und Dirk Neumann fanden einen Schwimmstil, der für mich passte. Wir stellten zwei Kleinigkeiten um: mein Atemrhythmus wurde geändert und mein Armzug/Stil wurde wesentlich vereinfacht. Place Press Push makes my swim goes wuuush…. Ergebnis: Ich bin schneller aus dem Wasser, ABER viel wichtiger!!! Früher brauchte ich gefühlte 20 Kalorien und heute nur noch 1 Kalorie. Jetzt habe ich sofort Power auf dem Rad und kann meine Leistung abrufen. Vielleicht trete ich jetzt einigen Schwimmtrainern auf die Füße, aber reines Schwimmtraining, hat nichts mit Schwimmen für Triathlon zu tun. Das gilt auch für das Rad-, und Lauftraining, welches ebenso etwas umgestellt worden ist.“

Svøm-00-02-31-965-01.jpegBesser kann man unseres Erachtens kaum beschreiben.

Ihr wollt wissen, wie man entspannter und schneller aus dem Wasser kommst, wie Du beim Radfahren und Laufen schnellere Splits bekommst und wie Du mehr Spaß und Freude beim Triathlon hast, erfährst Du in unseren Camps. Zum Beispiel im Oktober oder Frühjahr auf Mallorca.

www.trisutto.com

Brett Sutton – Trisutto Das Trainingslager der etwas anderen Art

Interview mit Brett, St.Moritz im August 2017 – published in Tri Time September 2017 

Brett (Sutton), Du bist für Deine zum Teil unorthodoxen Trainingsmaßnahmen und –ansichten bekannt. In den letzten Jahren hast Du interessierten Altersklassenathleten nicht nur in Wochenendseminaren Einblick in Deine Philosophie gegeben, Brett, Du und Dein Team bieten auch zunehmend Trainingslager an, beispielsweise auf Mallorca. Worauf wird besonders Wert gelegt?

mallorcasvømlørdag_0172-00-00-10-682Brett: Wir sehen Triathlon als EINE Sportart und nicht als drei Sportarten. Wir sind keine Schwimmer, wir sind keine Radfahrer und wir sind keine Läufer – wir sind Triathleten! Das ist das erste was vermitteln. Weiterhin schauen wir jeden Einzelenen individuell an und finden eine Technik die für den Einzelnen auch passt, vorausgesetzt, der Athlet möchte das. Beispiel: ein Kerl mit 190cm und 80kg kann ich nicht die gleiche Technik schwimmen lassen wie eine zierliche Frau mit 160 und 50 kg. Deshalb trennen wir bei sehr vielen Einheiten auch Frauen und Männer.

TT: Welche Voraussetzungen sollten die Teilnehmer mitbringen? Der Name Brett Sutton kann bei einigen ja „Angst und Sorge“ vor extrem harten Trainingseinheiten hervorrufen!

Brett: (lacht) : Nein, nein bitte ganz entspannt. Wir haben „Newbies“ genauso wie erfahrene Teilnehmer in useren Camps. Es wäre sicher gut, wenn man 100m am Stück kraulen könnte und bereits Erfahrung hat um auf einem Rad mit Klickpedalen zu fahren. Es sind alle herzlich willkommen.

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TT: Gibt es einen groben Ablaufplan, der für alle Camps Gültigkeit besitzt? Wenn ja, wie sieht der aus!

Brett: Das hängt auch von der Location und dem Wetter ab. Aber sicherlich haben wir ein gewissen Plan. Zum Beispiel: treffen wir uns um 8:00 zum Radfahren „hillreps“ (Anmerkung: kurze Bergintervalle mit einem dicken Gang und niedriger Herzfrequenz) ca 1:15h . Danach Frühstücken mit friends und family. 11:00 Talk 12:00 Schwimmen und am Nachmittag 2 Radeinheit z.b. 4x5k TT oder individuell, je nach Leistungsstand. Abends gemeinsames Essen.

TT: Du hast gerade Talks angesprochen. Gibt es Vorträge zur trisutto-Trainingsphilosophie, zur Ernährung, Material, Gesundheitsvorsorge etc?

Brett: Ja, natürlich. Es gibt zu allen Themen Vorträge, auch aus dem „Nähkästchen…“ Nicole Spirig kommt beispielsweise zu vielen Vorträgen wenn sie mit im Camp ist, weil sie überzeugt davon ist immer wieder noch etwas neues zu hören, was sie bisher nicht kannte.

TT: Stichpunkt Pro´s. Sind aktuelle/ehemalige Profis auch vor Ort? (wenn ja, bei welchem Camp)

Mallorcacamp20182-00-07-02-12.jpgBrett: Das hängt immer auch von der Jahreszeit und dem Ort ab. Aber in der Regel sind einige aus meinem Kader vor Ort, die übrigens grundsätzlich auch das trainieren was die Campteilnehmer machen, ggf. etwas weniger intensiv.. So sollte man nicht überrascht sein, wenn ein Olympic oder World Champion neben einem auf der Bahn schwimmt oder läuft oder die Radrunden auf dem Rad mitfährt. Und man kann natürlich auch mit ihnen reden.

TT: Guter Stichpunkt Rad. Wie erfolgt bspw. die Gruppeneinteilung beim Radfahren?

Brett: Die meisten Einheiten gestalten wir so, dass alle, egal welches Niveau sie haben, zusammen fahren können. Beispielsweise haben wir einen Rundkurs mit wenig bis gar kein Verkehr auf dem wir schnelle Runden fahren und oder auch Wechseltraining machen. Eine Runde easy, eine Runde schnell (5-7min) und dann in die Laufschuhe springen (3-4min). Bei längeren Ausfahrten gibt es Assistants und bei max 12 Teilnehmern ist eine individuelle Aufteilung eher leichter.

TT: viele Teilnehmer anderer Camps rühmen sich mit hohen Kilometer- und Höhenmeterangaben … so auch bei trisutto?

Brett: (lacht wieder) Ja, das sehen wir immer wieder , wenn wir in den gleichen Hotels sind wie andere Camps. Die Teilnehmer zerstören sich regelrecht in den Tagen und merken meist nicht, dass für sie der erste Teil der Saison gelaufen ist. Bei uns werden alle gefordert, sehr sogar, aber niemand zerstört. Wir trainieren meist öffters am Tag mit hoher Qualität und Pausen dazwischen. Wenn die Teilnehmer nach Hause kommen, können sie mit den neuen Impulsen gleich weiter trainieren und müssen nicht erst Urlaub vom Camp machen.

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DPN: Bist Du bei allen Camps vor Ort?

Brett: Nein, das ist praktisch unmöglich. Falls ich nicht im Camp bin, wird es von erfahrenen und von mir ausgebildeten Trisutto Coaches geleitet, welche die Total Body Force Philosophie transportieren und vermitteln können. Da können alle sicher sein, dass ich niemanden an den Pool stelle der nicht weiß was er da tut.

Besten Dank für das Interview!

 

Vorsicht vor dem Frühjahrs-Trainingscamp

Mallorca11-00-11-42-300von Brett Sutton (übersetzt von DPNewman)


Wenn wir uns so langsam dem Monat März nähern, richten engagierte Ausdauersportler ihre Aufmerksamkeit wieder auf das Frühjahrstraining.


Zu dieser Jahreszeit sehen wir viele Altersklassen- und Profi-Athleten, die dem europäischen und nordamerikanischen Winter entkommen wollen, um außerhalb der Saison in wärmeren Gefilden dem einen oder anderen Camp beizuwohnen. Kaum drei Wochen nach Weihnachten und schon hatte ich drei meiner eigenen Profi-Athleten, die im Rahmen von Sponsor- oder Teamaufgaben an solchen organisierten Camps teilnahmen.


Obwohl das gut ist, finde ich oft, dass die Trainingspläne bei diesen kleinen Ausflügen eins gemeinsam haben:
In Vorbereitung auf die Sommersaison und -rennen, bringt sich jeder Einzelne jetzt schon mit Übertraining um!!!!!!!!!!

Meine Profi-Athleten wurden lange Zeit von den Altersklassen-Campteilnehmern belächelt, da sie nicht als die harten Arbeiter gesehen wurden, die sie erwartet hatten. In der Tat, einige kommen mit der Beobachtung, dass meine Jungs überhaupt nicht so hart sind und „vielleicht kein gutes Jahr haben“, basierend auf dem, was sie im Camp gesehen haben.
Das ist Musik in meinen Ohren. Die Wahrheit ist, dass ich meinen Jungs nicht erlauben werde, das organisierte Training in diesen Camps zu machen, weil das Training, das man in einigen dieser Camps sieht, einfach völlig verrückt ist.

 

Mallorcasvøm10-00-01-48-200-01Lasst es uns mal näher betrachten:
Altersklassenathleten zahlen viel Geld, um weg von zu Hause in einer wunderschönen Umgebung mit „warmem“ Wetter und hervorragenden Trainingsmöglichkeiten zu trainieren. Man muss sich um nichts kümmern, nur essen, schlafen und trainieren, Seite an Seite mit einigen der besten Athleten in diesem Sport ohne Ablenkung. Es sollte ein Trainingsparadies sein.
Abgesehen davon, dass fast alle Athleten daran glauben, dass sie so hart schwimmen müssen, dass sie beim Abendessen kaum noch ihre Messer und Gabel halten können. Oder dass sie so viel Rad fahren müssen, dass ihre Nackenmuskulatur Mühe hat, ihre Köpfe nicht in den Spaghettiteller fallen zu lassen. Beim Gang zum Frühstück, wenn sich bei jedem Schritt die Beine nicht müde und übersäuert anfühlen, dann habe ich nicht alles gegeben.


Ich versuche hier nicht übermäßig hart zu sein. Natürlich willst du hart trainieren. Ich versuche jedoch wirklich, den Leuten, die in den nächsten 3 Monaten ein Camp gebucht haben, einen Rat zu geben, so zu trainieren, dass sie in besserer Form nachhause kommen, als sie angereist sind


Wenn du normalerweise drei Mal pro Woche zu Hause schwimmst und im Camp jetzt 7-10 Mal schwimmen gehst, wirst du dein Schwimmen nicht verbessern, sondern sicher LANGSAMER werden und womöglich sogar eine Schulterverletzung riskieren.

 

Wenn Du Dich aufgrund des Winterwetters mit 100-150 km Rad fahren (pro Woche) fit gehalten hast und jetzt im Camp 400-500 km oder mehr (pro Woche) auf dem Rad sitzt, wird auch das dich LANGSAMER machen. Gleiches gilt fürs Laufen neben dem zusätzlichen Risiko von Knieverletzungen oder einer Vielzahl anderer lauf- oder radspezifischer Verletzungen, die ich bei zufriedenen, aber entweder langsameren, verletzten oder krank!!! zurückgekehrten Altersgruppencampern Jahr für Jahr sehe.

Es ist eine großartige Sache, im Winter eine 7-tägige oder 10-tägige Pause einlegen zu können. Das ist es wirklich. Nutze sie jedoch dazu, um dich vom Stress von Arbeit, Familie und Training zu erholen. Genieße das Training in der Sonne statt in Deinem Keller oder auf dunklen, matschigen Straßen und genieße die Freiheit zu trainieren, wann Du willst. Denn der Athlet, der diese Einstellung annimmt, wird nach Hause gehen, den Rest des Winters/Frühjahrs, das Training in der ersten Saisonhälfte meistern und vor allem durch sein frühes Warmwettertrainingslager sowohl physisch als auch psychisch gestärkt angehen.

 

Das ist doch der eigentliche Grund, warum du überhaupt in ein Camp fahren solltest?